Eingestellt am von Stonie, überarbeitet am 06.08.2010, 15:57 Uhr
Eingeordnet unter: Piraten
Heute ist ein relativ schlechter Tag für die Piratenpartei Deutschland. Denn Liquid Feedback kommt zwar, aber nicht so, wie sich die Ersteller das gedacht haben, nicht so, wie mancher Pirat sich das gedacht hat und erstmal überhaupt nicht.
Warum?
Ja, gute Frage...
Auf dem Bundesparteitag 2010.1 in Bingen wurde die bundesweite Einführung von Liquid Feedback beschlossen. Im entsprechenden Abschnitt des Protokolls ist der Antragstext zu finden, den ich jetzt einfachheitshalber mal hier hineinkopiere:
Die Piratenpartei Deutschland richtet eine eigene bundesweite Instanz von LiquidFeedback ein. Zu dieser erhält jeder Pirat einen persönlichen Zugang. Die in LiquidFeedback beschlossenen Anträge sind nicht bindend sondern bilden lediglich das Meinungsbild der teilnehmenden Piraten ab. Für den Betrieb des Systems werden zunächst einmalig 800 Euro zur Verfügung gestellt. Der Betrieb des Systems soll innerhalb von 60 Tagen aufgenommen werden. Der Landesverband Berlin wird gebeten die Inbetriebnahme von LiquidFeedback zu unterstützen.
Dieser Antrag ist bedauerlicherweise nach allen Seiten offen und das sollte uns Piraten vor allem lehren, genau hinzusehen, bevor wir unsere Fliegenklatsche mit der Stimmkarte heben. Der Landesverband Berlin, der laut Antragstext gebeten wurde, die Inbetriebnahme zu unterstützen, war de facto ausführende Instanz. Warum auch nicht? In Berlin wurde (und wird) Liquid Feedback bereits genutzt, und zwar nicht nur für Meinungsbilder, sondern auch zur Entscheidungsfindung. Die Berliner hatten also nicht nur von guten Erfahrungen zu berichten, sondern wussten auch, wie es geht. Oder vielmehr: Wie es in Berlin für Berlin beschlossen und genutzt wird.
Von der Intention her sollte Liquid Feedback eigentlich nicht mehr tun und nicht mehr können, als Meinungen abzubilden. Dummerweise ist es (oder war bis jetzt, wenn wir ganz korrekt sein wollen) aber in den Augen der Macher auch dazu da, die "Parteigeschichte zu dokumentieren". Und das bedeutet, dass alles, was der User an sich in diesem Tool hinterlegt, einerseits für recht lange Zeit gespeichert wird, andererseits auch im Rahmen eines allgemein verfügbaren Datenbankdumps jedermann zur Verfügung steht. Das birgt natürlich Risiken, die der Pirat an sich sofort sieht und stark bewertet. In dem oben verlinkten Protokoll sind durchaus einige Bedenken vorgetragen worden: Dass Arbeitgeber auf diese Weise jederzeit die politische Meinung von Mitarbeitern abfragen könnten, dass eine Meinungsäußerung, die man vor einem Jahr getätigt hat, eventuell nicht mehr gültig, aber trotzdem so wahrgenommen werden könne, dass man trotz anonymer Teilnahme auf lange Sicht aufgrund verschiedener weicher Parameter (Freunde, Formulierungen, Delegationen etc.) doch wiedererkennbar sein könnte...
Die Vertreter des Berliner Landesverbandes konnten 80% der Bundesparteitagsteilnehmer davon überzeugen, dass diese Bedenken gegenstandslos wären und so wurde die bundesweite Einführung mit dieser Mehrheit angenommen. Und dann kam die Realität...
Die Realität sieht so aus, dass das Budget von 800,-- Euro erstmal drastisch überschritten wurde, weil für die Ausarbeitung der Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung vernünftigerweise eine - gute - Anwaltskanzlei in Anspruch genommen wurde. Dann ist im Nachgang wohl doch einigen Leuten aufgegangen, dass das gläserne Hinterzimmer der Piraten eben durchsichtig ist und so viel Transparenz kann schon ein mulmiges Gefühl machen. Das System wurde angepasst, manches wurde als unabdingbar für die Glaubwürdigkeit des Systems dargestellt und nicht angepasst, es wurde diskutiert, gestritten und mit wirklich extrem unfeinen Mitteln "gekämpft".
Das Bundesschiedsgericht hat beispielsweise auf Klage und Antrag auf einstweilige Verfügung hin die Einführung eben durch einstweilige Verfügung zeitweilig gestoppt. Das ist prinzipiell eine nachvollziehbare Entscheidung, wenn man bedenkt, dass ja eine Entscheidung über die Klage auf Nichtigerklärung des Parteitagsbeschlusses zu treffen war. Das hat dem vorsitzenden Richter einiges an Ärger eingebracht, der bis hin zur physischen Bedrohung ging.
Gestern ist ein Bundesvorstandsmitglied zurückgetreten, das nichts Schlimmeres getan hatte, als einen Antrag einzubringen, der die Einschränkung des Systems vorsah (beispielsweise keine Datenbankdumps, eingeschränkte Anzeige für nicht angemeldete Benutzer, Löschung aller Zuordnungen zu Personen nach dem Bundesparteitag im November) und der sich daraufhin ebenfalls massiven persönlichen Bedrohungen ausgesetzt sah.
Erschwerend kommt hinzu, dass der dpa noch vor der gestern abend stattgefundenen Bundesvorstandssitzung, auf der der Start endgültig beschlossen werden sollte (oder auch nicht, kommt auf die Sichtweise an) offensichtlich eine Pressemeldung zuging, die den Start von Liquid Feedback bereits als Tatsache darstellte.
Sie fragen,wer diese Pressemeldung herausgegeben hat?
Nun, der Betreffende hat sich bisher noch nicht gemeldet. Von daher kann man auch nur annehmen, dass damit sichergestellt werden sollte, dass der Bundesvorstand den "richtigen" Beschluss träfe. Er tat es übrigens nicht, aber das nur mal so nebenbei.
Während diese ganzen Ereignisse ihren Lauf nahmen, wurde auf der bundesweiten Mailingliste der Piraten "diskutiert". Will heißen: So mancher Pirat vertrat mal wieder seinen Standpunkt als den einzig möglichen und erklärte alle, die einen anderen Standpunkt vertraten, zu Deppen. Milde ausgedrückt.
Das mit der bundesweiten Mailingliste ist übrigens ein Phänomen, das nicht auf Liquid Feedback beschränkt bleibt, auch wenn es bei diesem Thema besonders deutlich zu Tage trat. Grundsätzlich gibt es auf dieser Liste eine Handvoll Teilnehmer, die wirklich nicht wissen, wo ihre Grenzen sind. Ich fürchte, dass es genau diese Leute unter den Befürwortern waren, die gemeint haben, sie müssten Leuten, von denen sie annahmen, sie wollten Liquid Feedback verhindern, mit physischer Gewalt drohen (und psychische anwenden, beispielsweise Telefonterror).
Der federführend Verantwortliche für Liquid Feedback ist selbstverständlich ebenfalls Mitglied des Bundesvorstands. Das Team, das sich um die Implementierung des bundesweiten Liquid Feedback gekümmert hat, umfaßt zwölf Entwickler, die seinen Angaben zufolge über 2 MJ (zwei Mannjahre) in die Entwicklung gesteckt haben - und das in einem Zeitraum von etwas mehr als zwei Monaten. Sicher ist es ärgerlich (sogar mehr als das), wenn man so viel von seiner Freizeit in dieses Projekt gesteckt hat. Sicher ist es auch ärgerlich, wenn man verschiedene Leute um Feedback gebeten hat, aber keines wahrgenommen hat. Und es ist mehr als ärgerlich, wenn man dann dasteht, eigentlich aufs Knöpfchen drücken könnte, damit es losgeht - und dann kommt dieser Bundesvorstand und bremst einen aus. Ich verstehe vollkommen, dass das Team, das diese Entwicklung durchgeführt hat, wirklich verärgert ist.
Verstehen kann ich nicht, dass sich dieser Teamleiter dann nicht entblödet, dieses alles während der Bundesvorstandssitzung hochbetont von sich zu tun und mit der selbstverständlich unausgesprochenen Drohung zu verbinden, ab jetzt die Mitarbeit vollständig zu verweigern. Natürlich sagte er nicht, dass die zwölf Herren, die sich so unendlich um die Verwirklichung dieses Traums bemüht haben, nicht bereit sein würden, ihre weitere Unterstützung zu gewähren. Allein: Die sofortige, kommentarlose Abschaltung des Servers spricht schon Bände.
Eben dieser Mensch hat den Vorsitzenden Richter am Schiedsgericht gebeten, die Begründung des inzwischen gefällten Urteils vorab zu "leaken", um zu wissen, wie die Server in Betrieb zu nehmen seien. Ich finde, für ein Mitglied des Bundesvorstands gehört sich das nicht. Die Quittung hat er auch prompt bekommen in Form eines Antrags auf Verwarnung an den Bundesvorstand. Update 10.08.10:Dieser Antrag wurde inzwischen zurückgezogen. Nur der Vollständigkeit halber.
Aber mal ganz abgesehen von diesem und allem, was dieser ansonsten wirklich sehr nette Mensch sich da geleistet hat: Ich finde, er müsste sich entschuldigen. Bei denjenigen Piraten, die eben diese datenschutzrechtlichen Bedenken von Anfang an geäußert haben, denn er hat es vorgezogen, ihre Sorgen nicht ernst zu nehmen.
Er sollte sich meiner Ansicht nach auch dafür entschuldigen, dass er Liquid Feedback so, wie er und seine Mannschaft es zur Verfügung zu stellen bereit waren als die einzige Möglichkeit dargestellt hat, ein verlässliches Meinungsbild einzuholen.
Er müsste sich dafür entschuldigen, dass er so getan hat, als hätten nur diese zwölf Piraten sich "den Arsch aufgerissen", während alle anderen faul auf dem Sofa lagen und darauf warteten, dass es etwas zu kritisieren gäbe.
Und ganz bestimmt sollte er sich für die Sturheit entschuldigen, mit der er versucht hat, Liquid Feedback nach seinen Vorstellungen und denen vielleicht ansonsten noch einer Handvoll anderer Piraten durchzudrücken, eine Sturheit, mit der er und die anderen von Anfang an konsequent auch an den 80% Piraten vorbeientwickelt haben, die sich für Liquid Feedback ausgesprochen haben.
Ich rate (auch wenn das jetzt ungelegen kommt, weil mich keiner drum gebeten hat) allen Piraten, in Zukunft derart schwammige Anträge abzulehnen. Wer für solche Unternehmungen nicht einen vernünftig ausgearbeiteten Plan vorlegen kann und nicht in der Lage ist, im Antragstext genau zu formulieren, was er vorhat - der soll, bitte, nach Hause gehen.
Eingestellt am von Stonie, überarbeitet am 27.05.2010, 15:29 Uhr
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Soeben lese ich auf foodwatch, dass Sarah Wiener verwerflicherweise der deutschen Bahn hilft, Gourmet-Fertiggerichte an den Mann, die Frau oder das Kind zu bringen. Foodwatch moniert dabei, dass das angebliche Gourmet-Essen nichts als ein Fertigprodukt sei, das mit Spitzenküche nicht viel und mit Sarah Wieners Berufsethos gar nichts zu tun habe.
Weiter schreibt foodwatch (und jetzt zitiere ich wörtlich, weil es mich wirklich umgehauen hat):
"Der Gast kann nicht erkennen, ob in der Küche frisch gekocht oder ein fertige Convenience-Produkte nur noch aufgewärmt werden,[...]"[1]
Nur mal so als Frage an die foodwatch-Redakteure: Denken Sie wirklich, es gäbe irgendjemanden in diesem Land, der denkt, dass in Zugrestaurants irgendwelche Gerichte frisch zubereitet werden? Meinen Sie etwa, die deutsche Öffentlichkeit dächte, dass Sarah Wiener persönlich in der Bordrestaurant-Küche stünde und im Suppentöpfchen rührte?
So gut ich es finde, dass es foodwatch gibt, so froh ich bin, dass es Leute gibt, die schwer darauf achten, dass wir nicht auf Unsinn reinfallen, nur weil er uns tagtäglich unter der Bewußtseinsschwelle durchgeschoben wird (siehe Der goldene Windbeutel), so sehr ärgert mich das hier jetzt.
Und mich ärgert nicht die Tatsache, dass Sarah Wiener hier bloßgestellt wird - es ärgert mich gar gottsjämmerlich, für wie dämlich der deutsche Verbraucher an sich gehalten wird. Jeder Depp weiß, dass in Zügen nur mikrowellengewärmtes serviert wird, und genauso wissen wir alle, dass das Essen, das im Zug serviert wird, meistens völlig versalzen und viel zu teuer ist. Wer's ißt, obwohl er das weiß, wird seine Gründe haben (meistens handelt es sich um eine allseits bekannte selbstdisziplinarische Schwäche namens "Hunger"). Aber jetzt so zu tun, als ob Sarah Wiener uns mit Unterstützung der Bahn betrügen könnte, das halte ich schon für einigermaßen unverschämt.
Der Vollständigkeit halber sei übrigens noch dazugesagt, dass einige genauso bekannte Kollegen von Frau Wiener ebenfalls Werbung machen (und der Natriumglutamatgehalt der angepriesenen Speisen wird davon ebenfalls nicht geringer). Auf die Schnelle gefunden habe ich:
Und wir haben auch schon Barbara Rudnik ebenso für becel werben sehen wie Dieter Bohlen (ok, der ist jetzt nicht ganz so glaubwürdig, aber immerhin); wir haben schon völlig Unbekannte davon erzählen hören, dass sie sich so "aufgebläht" fühlen, und den Rat der Freundin vernommen, sie möge doch einmal einen bestimmten Joghurt probieren, dann würde alles gut. Natürlich suchen sich Deutschlands Bedarfswecker auch bekannte Menschen, die der Nation erzählen, dass man Meisterkoch sein könne, ohne dass man Ahnung hätte (oder hinterher die Küche saubermachen müßte). Und natürlich ist es eine arge Heuchelei, wenn dieselben Leute, die in der Küchenschlacht die Verwendung von Fertigprodukten verteufeln (und wenn's nur gekörnte Brühe ist) dann hingehen und für eben dieses "Teufelswerk" Werbung machen. Tagtäglich wird auf höchst aggressive Weise versucht, Einfluß auf unser Konsumverhalten zu nehmen. Wir wissen das. Und ich möchte bitte, dass auch foodwatch zumindest dieses Wissen voraussetzt und uns nicht für völlig verblödet hält. Bitte!
[1]Den Grammatikfehler habe ich gelassen, weil's ein Zitat ist.
Eingestellt am von Stonie, überarbeitet am 20.05.2010, 09:13 Uhr
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Die Piratenpartei hat zugegebenermaßen einen verschwindend geringen Frauenanteil (ohne jetzt genaue Zahlen zu kennen, denke ich, dass wir auf Bundesebene nicht wesentlich über 10% kommen, wenn überhaupt). Woran mag das liegen?
Ich denke, dass die Themen, für die wir stehen, für eine Vielzahl von Menschen in unserem Land nicht übermäßig interessant sind; das ist eine Verständnisfrage. Welcher Normalbürger befaßt sich schon derart intensiv mit Urheberrecht oder Datenschutz? Otto Normalverbraucher wird mit diesen rechtlichen Themen kaum mal in Berührung kommen – beim Urheberrecht mangels Verstoßes, beim Datenschutz ist es hauptsächlich der Mangel an Wissen. Und was dem Menschen nicht weh- und nicht gut tut, das nimmt er nicht wahr, war schon immer so. Noch schlimmer wird es bei Themen wie Patentwesen, Transparenz und Infrastrukturmonopolen. Kurzum: Unsere Themen betreffen zwar grundsätzlich jeden Bürger unseres Landes – wahrnehmen werden die Menschen das aber erst, wenn sie mit den Konsequenzen aus ihrer Wahrnehmungsverweigerung in Berührung kommen. Das kann noch ein ganzes Weilchen dauern, vornehmlich deshalb, weil die Piratenpartei hier sehr fleißig ist und vieles von dem verhindert, was die Bürger unseres Landes richtig einschränkte. So muß man also unbedingt sehen, dass hier nicht Frauen ausgeschlossen werden, sondern ein großer Teil der Bürger unseres Landes von uns nicht angesprochen werden. Das festzuhalten ist zunächst sehr wichtig, beantwortet aber nicht die Frage, warum es so wenig Frauen in der Piratenpartei gibt.
Um die Risiken zu sehen, die sehr viele Gesetzesentwürfe zu informationstechnologischen Bereichen (Internetsperren, Schülerdatenbank, ELENA) bergen, ist es wichtig, dass man die Technik nicht nur benutzt, sondern eben auch beherrscht. Und da muß man jetzt einfach mal feststellen, dass die Mehrzahl unter den Menschen, die mit dieser Technik spielen, bis sie nachgibt oder kaputtgeht, eben männlichen Geschlechts ist. Frauen nutzen Technik überwiegend, ohne sich groß dafür zu interessieren, was denn so dahintersteckt. Die Gründe dafür sollen hier keine Rolle spielen, mir geht es momentan hauptsächlich um das Festhalten eines Ist-Zustands.
Die Folge ist, dass es überwiegend Männer sind, die Sicherheitslücken entdecken und Fehler in gutgemeinten Ansätzen zur Anwendung der elektronischen Datenverarbeitung finden. Diese Männer – die einen verschwindend geringen Prozentsatz der Bevölkerung ausmachen – machen sich darüber verständlicherweise Gedanken und ebenso verständlicherweise wollen sie auf solche Fehler aufmerksam machen. Und auf diese Weise hat Deutschland eine Piratenpartei bekommen, in der es viele Männer und wenige Frauen gibt. Witzigerweise sind gerade die Männer, die sich mit dieser Art von Themen beschäftigen, eher begeistert als entsetzt, wenn dann mal eine Frau kommt, die sich beteiligen will. Meine persönliche Erfahrung ist, dass Frauen gerade in der Piratenpartei mit Begeisterung aufgenommen werden. Vielleicht kommt daher die genervte Reaktion, wenn diese Frauen dann eben das Thema Gleichberechtigung ansprechen, so nach dem Motto "sagt mal, was wollt ihr denn noch? Wir sind doch froh, dass ihr da seid!". Das ist wirklich ins Blaue geraten, könnte aber ganz gut sein. Es ist definitiv nicht so, dass die Piratenpartei Frauen keine Chance gäbe; wenn wir den sehr geringen Frauenanteil, den wir haben, zugrunde legen und die Tatsache mit einbeziehen, dass die Piraten Quotenregelungen strikt ablehnen, dann gibt es überraschend viele Frauen, die Ämter innehaben, die gehört werden und hochkompetent sind. Ich glaube nicht, dass wir uns in der Hinsicht Sorgen machen müssen.
Deshalb denke ich, dass wir mit einer "Genderdebatte" völlig danebengreifen würden und bin auch dagegen, eine solche innerhalb der Partei zu führen. Ein Gleichberechtigungsproblem haben wir innerhalb der Partei meiner Ansicht nach überhaupt nicht.
Was wir haben, ist das Problem, dass unsere Kernthemen eben Nischenthemen sind und es extrem schwer ist, viele Menschen dafür zu sensibilisieren. Wir haben uns schlicht bei der Kommunikation extrem dämlich angestellt. Wer wissen möchte, was ich meine, der möge doch mal das Parteiprogramm durchsehen und sagen, welcher normalsterbliche Mitmensch, der einen Rechner benutzt, um seinen Schreibkram zu erledigen, ein bißchen zu spielen und ein wenig zu surfen, das bitteschön verstehen soll.
Will heißen: Wir haben ein Kommunikationsproblem. Plakate zu voll, Flyer zu voll, zu viel wollen, zu viel erklären, Leute mit technischen Details schwindlig reden – das ist es, was uns Schwierigkeiten bereitet, unsere Anliegen einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen. Wenn das Schlagwort also hieße „Klarmachen zum Kommunizieren“, wäre ich auf der Stelle dabei. Denn wenn wir es endlich fertigbringen, dass wir aufhören, uns in Machtkämpfchen zu verlieren und nach außen transportieren lernen, was die Menschen in diesem Land unbedingt wissen müssen, dann wird der Frauenanteil in der Piratenpartei meiner Ansicht nach sprunghaft nach oben gehen – und wir werden neben Frauen auch viele Parteimitglieder bekommen, die einen Rechner zwar benutzen können, aber sicher nicht beherrschen. Das sind die Leute, die wir erreichen müssen, wenn wir auf lange Sicht als Partei überleben wollen.
Nein, ich will keine "Genderdebatte" und schon gar keine wie auch immer geartete Quote. Was ich will, sind kompetente Menschen: Einen Vorsitzenden, der kommunikationsstark ist, einen Kassenwart, der weiß, wie Buchhaltung geht, Leute, die wissen, wovon sie reden, und das auch so vermitteln, dass nach dem Gespräch die Gesprächspartner ebenfalls wissen, wovon die Rede war. Ob das dann Männer, Frauen oder Mainzelmännchen sind, ist mir vollständig schnuppe.
Eingestellt am von Stonie, überarbeitet am 17.05.2010, 08:52 Uhr
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... ja, oder auch nicht, das kommt darauf an, welche Erwartungen man so mitbringt. Nachdem die Masse an Anträgen mich einfach niedergedrückt hatte, habe ich beschlossen, Bingen als "socializing event" zu nutzen und außerdem zuzusehen, dass ich einen anständigen Vorstand gewählt bekomme. Jetzt, einen halben Tag vor Schluß kann ich für mich also einen vollen Erfolg verbuchen: Ich habe mit vielen Leuten geredet, auch und vor allem mit solchen, die ich noch nicht kannte, habe viele Meinungen gehört und bin auch nur zweimal an die Decke gegangen.
Veranstaltungshighlights:
Die Kandidatur von Lena Simon zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden, absolut. Die Kandidaten für dieses Amt wurden alle mit den üblichen Fragen gelöchert - und dann kam Lena. Interessant war, dass auf den Rednerlisten mit einem Mal fast nur noch Frauen waren und die Fragen, die Lena gestellt wurden, waren wirklich teilweise schwer zu schlucken. Sie hat sich bei der Beantwortung einfach phantastisch geschlagen. Vor so einem Inquisitionsgericht wären ganz andere Leute in die Knie gegangen; Lena hat die an sie gestellten Fragen ruhig und sachlich beantwortet, ist freundlich geblieben und machte auch sonst einen wirklich guten Eindruck. Noch bin ich zwar nicht der Meinung, dass ich sie im Bundesvorstand sehen möchte - aber wenn diese Entwicklung so weitergeht, denke ich, dass sie in ein oder zwei Jahren durchaus gut dort aufgehoben ist. Ich werde auf jeden Fall gespannt verfolgen, wie es mit ihr weitergeht.
Die Versammlungsleitung! Stefan, Vali und Jan haben ihre Sache den Umständen entsprechend ausgezeichnet gemacht. Eine Horde von rund tausend Individualisten wie die Piraten das nun mal sind, so im Griff zu halten und sich dabei so wenig aus der Ruhe bringen zu lassen, ist eine fast übermenschliche Leistung. Wunderbar, Jungs, macht das bloß öfter!
Die zwischenmenschliche Kontaktpflege: Oh, mit wievielen Leuten ich mich unterhalten habe! Das war eine riesige Menge Input, die ich erstmal verarbeiten muß. Für meine Kreisverbands-Alltagsarbeit habe ich mir viele Impulse geholt und werde mal sehen, wie ich so das eine oder andere einbinde.
Nicht so toll war:
Die Art und Weise, in der so mancher Pirat meint, seine Meinung äußern zu müssen
Die permanente Unruhe in der Halle
Die Masse an relativ sinnfreien GO-Anträgen
Die Kälte in der Halle am Samstagmorgen (Mann, haben wir gefroren)
Ein dickes Dankeschön geht an das Orga-Team, die wirklich eine reife Leistung abgeliefert haben, an Kristian, der dafür gesorgt hat, dass wir nicht vom Fleische fallen und an alle, die sonst noch dafür gesorgt haben, dass tausend Piraten sich ordentlich fetzen konnten! Dankedankedanke!
Eingestellt am von Stonie, überarbeitet am 12.05.2010, 10:11 Uhr
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Das Internet hat der Deibel gesehen - vor allem da, wo Menschen schriftlich kommunizieren. Mailinglisten, Foren und soziale Netzwerke sind ein Tummelplatz für Leute, die sich kranklachen können, wenn andere durch ihre Worte verletzt werden und solche, die ihrer Wut nur dann wirklich Ausdruck verleihen können, wenn sie niemandem dabei ins Gesicht sehen müssen. Aber wehe, wenn sie erstmal anfangen, dann gibt's kein Halten mehr!
Früher gab's mal eine Netiquette, an die sich auch die allermeisten Leute gehalten haben. Ja, mehr noch: Wer sich nicht daran hielt, fand sich schneller isoliert, als er "Troll" sagen konnte. Heute schreibt jeder drauflos und jeder Depp, der verbale Angriffe mit Humor und persönliche Beleidigungen mit freier Meinungsäußerung verwechselt, wird mit offenen Armen in jeder Gemeinschaft aufgenommen, die da existiert und jede auch noch so blöde Diskussion um Sandkastengebölke muß unbedingt bis zum bitteren Ende geführt werden. Das stört mich.
Ich finde, dass man, wenn man mit jemandem auf persönlicher Ebene nicht zurechtkommt, auf das zurückgreifen sollte, was uns im Elternhaus (hoffentlich!) und in der Schule (aber sehr hoffentlich!) beigebracht wurde: Höflichkeit, Respekt, Distanz. Gerade, wenn ich mit jemandem _nicht_ auf einer Wellenlänge bin, brauche ich dringend ein Fundament, auf dem ich sicher mit diesem Menschen kommunizieren kann. Frechheiten kann ich mir da genausowenig leisten wie mehr oder weniger geschmackvolle Witze.
Sag, was du sagen willst, bleib sachlich, verkneif dir deine lockeren Sprüche - auch auf die Gefahr hin, dass du als humorloser Stockfisch wahrgenommen wirst. Bedenke, dass man ehrlich seine Meinung sagen kann, ohne die Meinung des Gegenübers oder ihn selbst herabzusetzen. Und wenn du nun wirklich so ehrlich sein mußt, jemand anderem an den Kopf zu knallen, dass du ihn nicht magst: Sag's mit schonenden Worten. "Ich komme mit deiner Art nicht gut zurecht" ist allemal genauso ehrlich wie "ich kann dich nicht leiden" und tut viel weniger weh.
Und bevor du eine Doodle-Umfrage mit "lustigen" Statements zu einer anderen Person machst, geh doch besser erstmal aufs Klo und kack' dich da aus, anstatt deine Mitmenschen mit deinen spirituellen Exkrementen zu belästigen. Wenn du dann wieder kommunizieren kannst, wie das von dir als durchschnittlich wohlerzogenem Mitteleuropäer erwartet werden darf, dann schreib auf, was dich bewegt und diskutiere die Angelegenheit mit dem- oder denjenigen, den oder die es betrifft, anstatt in aller Öffentlichkeit deine Wahrheiten nackt und häßlich, wie sie sind allen an den Kopf zu werfen, die da im Wege stehen und nichts mit der persönlichen Auseinandersetzung zu tun haben.
Sonst läufst du Gefahr, doch eines Tages in der Kälte der Isolation zu stehen - dann wirst du nicht anders können, als auf die konfektionierten Umgangsformen zurückzugreifen, die uns dabei helfen, jeden Tag mit allen Menschen auszukommen, ob wir sie nun mögen oder nicht.
Und wer's bis hierher geschafft hat, der hat auch eine Belohnung verdient, deswegen gibt's jetzt ein zwar nicht ganz passendes, aber dafür sehr illustrierendes Gedicht von Eugen Roth (weil ich den Busch meiner Ansicht nach sonst überstrapaziere und weil mir das mit dem "Feuergeist" so gut gefällt):
Abdankung
Ein Mensch, als junger Feuergeist,
Der Lügen warmes Kleid zerreißt
Und geht - welch herrlicher Charakter! -
Kühn durch die Welt nun als ein Nackter.
Der Mensch wird alt, die Welt wird kalt:
Die Zeit zeigt ihre Allgewalt.
Der Mensch hälts, frierend, nicht mehr aus -
Froh wär er um den alten Flaus.
Doch hat er den nicht nur zerrissen,
Nein, auch die Fetzen weggeschmissen.
Mit Müh erwirbt er, so im Zwange,
Sich Weltanschauung von der Stange
Und geht nun, bis zu seinem Tode,
Gleich all den andern, nach der Mode.
Eingestellt am von Stonie, überarbeitet am 09.04.2010, 22:11 Uhr
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Heute abend wollten meine Rangen ins Kino. Kampf der Titanen 3D sollte es geben und der Film sollte um 20:00 Uhr anfangen. Die Kerle sind also mit zweien ihrer Leib- und Magenkumpels losgezogen. Bis zur Kinokasse, da war dann Schluß. Denn der Film dauert bis nach 22:00 Uhr und da dürfen sie ohne Begleitung ihrer Eltern nicht rein. Jugendschutzgesetz.
Meine Söhne sind ja nicht doof, die riefen flugs zuhause an und schlugen ihren Vater breit, doch freundlichst einfach mitzukommen. Der Vater schwang sich also ins Auto und nichts wie ab ins Kino. An der Kasse blitzte aber auch er ab. Jedes Kind muß den jeweils zugehörigen Erziehungsberechtigten dabei haben. So steht's im Gesetz, sagte die Kassiererin. Und also zog man wieder ab.
Ja, und jetzt suche ich mir seit doch schon einiger Zeit mehr oder weniger einen Wolf, weil ich die Passage im Jugendschutzgesetz nicht finden kann, in der genau dieses steht. Und irgendwie kommt mir das auch merkwürdig vor, denn die Kinderlein waren durchaus schon um diese Uhrzeit im Kino, haben sich ihre Karten selbst gekauft und wurden keineswegs zurückgehalten.
Ist es möglich, dass es Kinobetreiber gibt, die die Vorstellungszeiten für einen (teueren, weil 3D) Kinofilm mit FSK 12 absichtlich auf eine Uhrzeit legen, zu der sie unter Hinweis auf das Jugendschutzgesetz zu jedem 12- bis 15-jährigen Kind noch einen Erwachsenen mit ins Kino zwingen können? Kann ja eigentlich nicht sein, oder?
Nachtrag: Wie gut, wenn man findige Freunde hat! Was ich nicht fand, konnte der Woodfighter finden: Jugendschutzgesetz § 11 Filmveranstaltungen. Dankeschön, Woodfighter! Und es steht in der Tat so drin, was meinen Verdacht mit der Uhrzeit aber eher bestätigt als entkräftet.
Eingestellt am von Stonie, überarbeitet am 29.03.2010, 16:02 Uhr
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I thought we were through with this, as the German Constitutional Court had rejected the law about blocking unwanted items on the internet. Now, the European Commissioner for home affairs is having another go, as the Guardian and a variety of others report.
Naturally, especially the German Pirate Party is not quite happy with this effort and so I thought I'd put that into lyrics that can be sung to a well-known tune which you should be able to recognize; at the moment I won't mention it as I am looking into copyright issues to be safe. But as my lyrics are in the process of making and surley can use a bit of a brush-up in the meantime, I'll give them to you without taking a bit of responsability for what you do with it. So, here we go:
Censilia
Censilia, you're breaking my heart,
you're shaking my faith in your reason,
Oh, Censilia, you don't help the kids
you help those who just want to own
Censilia, you will never learn
that techniques can be used and abused
Oh Censilia, the net is no man,
no woman, no child, it's a thing
it's a thing
A restriction won't stop abuse, won't protect
the kids from tormentors (won't protect)
You won't get into the way
of those who have always
had their own ways
Censilia, you're breaking our hearts,
this is beyond comprehension,
Oh, Censilia, we're down on our knees,
we're beggin you please, just to look,
have a look!
Comprehension, that's what you need,
see what's the action to take now,
Comprehension, to keep us our need,
see that's the wrong proceeding. Keine Kommentare bisher
Eingestellt am von Stonie, überarbeitet am 16.03.2010, 02:29 Uhr
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Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, den Piratinnen keinerlei Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, denn ich bin eine Frau, ich bin Pirat und ich halte einen geschlossenen Raum, innerhalb dessen Frauen sich gegenseitig erzählen, wie sie diskriminiert werden, für absolut überflüssig. Bedauerlicherweise hat die Dame, die diese Initiative angeschoben hat, sich der Presse bedient, um ihren Hunger nach
Aufmerksamkeit zu stillen und so geistert das Thema jetzt durch die Medien, Piraten, die sich explizit gegen eine solche geschlossene Liste nur für Frauen aussprechen, werden diffamiert und ausgegrenzt - das geht
so weit, dass bereits ein Pirat sein Blog vorläufig geschlossen hat, weil
er aufgrund der erfolgten Verbalinjurien tatsächlich Schaden für seine
Familie befürchtet. Das zeigt, dass das Ringen um die Gleichberechtigung
der Geschlechter immer noch ein hochemotionales Thema ist und dass es
wirklich wichtig ist, dass wir alle, ob wir nun Piraten sind oder nicht,
uns damit befassen.
Fangen wir mal damit an, dass es Gleichberechtigung heißt und nicht
Selbberechtigung. Den Unterschied zwischen den Begriffen "das Gleiche"
und "dasselbe" begreifen sehr viele Verfechterinnen der Emanzipation seit
Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten nicht. Es wäre aber
vollkommen unsinnig, wenn man negierte, dass es Unterschiede zwischen
Frauen und Männern gibt. Gerade heutzutage, wo die Bedeutung einer
Partnerschaft und nachfolgend einer Familie als kleinster sozialer
Einheit derart rapide abnimmt, ist es sogar sehr wichtig, diese
Unterschiede zu kennen, anzuerkennen und für alle Beteiligten
verträgliche Konzepte zu entwickeln.
Es kann nicht angehen, dass eine Frau sich anhören muß, dass sie, falls
es in ihrem Betrieb zu einem Personalabbau kommt, vor ihrem männlichen
Kollegen die Kündigung erhalten wird, weil sie durch eine Ehe
abgesichert sei. Es kann nicht sein, dass Frauen, die
nachweislich dieselbe Arbeitsleistung erbringen wie Männer, in diesem
Land immer noch deutlich weniger verdienen, eben weil in den Köpfen
derer, die die Gehaltseinstufung vornehmen immer noch die abstruse Idee
vorherrscht, Frauen würden nur arbeiten gehen, damit sie aus dem Haus
kommen, sozusagen als Hobby. Es ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit,
dass es immer noch Vorgesetzte gibt, die meinen, dass es die Frauen in
der Abteilung sein müßten, die die Teeküchen sauberhalten, die die
Spülmaschinen ausräumen, die für Kaffee sorgen - neben der Sacharbeit,
die sie zu leisten haben.
Es kann auch nicht angehen, - und das um des Fortbestands der Menschheit
willen - dass die spezifischen Eigenschaften von Frauen einerseits als
lästig und geldfressend, andererseits als unabdingbar angesehen werden.
Wenn jemand schwanger wird, ist das üblicherweise eine Frau. Das hat
Auswirkungen auf die Gesundheit, auf die Leistungsfähigkeit, auf die
Strapazierfähigkeit, es ist einfach so. Kinder bekommen ist etwas, was
die wenigsten Frauen im Vorbeilaufen erledigen. Abgesehen von der
deutlich höheren körperlichen Beanspruchung hinterläßt eine Geburt
üblicherweise eine größere offene Wunde, die heilen muß, was den Körper
ebenfalls beansprucht - daher die gesetztlich festgelegten Schutzzeiten. Andererseits sind es selbstverständlich die Frauen, von denen erwartet wird, dass sie zuhause bleiben, wenn ihr Kind krank ist.
Ich habe neulich erst wieder einen meiner lieben Freunde schwadronieren
hören, dass gesetzlichen Regelungen zum Mutterschutz die Arbeitgeber ja
ein schreckliches Geld kosten, dass eine geringere Bezahlung für Frauen
seitens der Arbeitgeber deswegen durchaus berechtigt sei und dass die
Frauen, wenn sie als gleichberechtigte Arbeitnehmer angesehen werden
wollten, ja auf diesen Schutz oder besser gleich auf Schwangerschaften
verzichten sollten. Sie könnten ja wählen, ob sie eine Karriere wollten
oder eine Familie. Ach, wenn es doch nur so einfach wäre.
In einer Gesellschaft, in der eine Partnerschaft den sozialen
Umgebungsbedingungen immer seltener standhält, in der die
Ein-Eltern-Familien immer mehr zur Regel werden und in der Väter, die
ihre Familien hinter sich lassen, nicht müde werden, über die Kosten zu
klagen, die die Trennung verursacht, in der Frauen immer mehr die
Verantwortung sowohl für die Erziehung der Kinder als auch für den
Unterhalt für die Familie übernehmen müssen, werden wir uns Gedanken
machen müssen, wie wir die Kurve in die Gleichberechtigung bekommen. Wir
werden einen Weg finden müssen, der für alle gangbar ist.
Das Rollenbild vom Mann als Ernährer und der Frau als Haushälterin ist
bedauerlicherweise nicht so überkommen, wie wir oft denken. Das zeigt
sich besonders deutlich in dem Moment, in dem Männer Erziehungsurlaub
nehmen wollen oder gar zuhause bleiben und sich von ihrer Frau versorgen
lassen - das Rollenbild also auf den Kopf stellen. Männer, die so etwas
tun, werden üblicherweise von Frauen sehr gelobt, ja. Mir sind aber
durchaus Fälle bekannt, in denen Männer, die Erziehungsurlaub genommen
haben, einen kräftigen Karrieredämpfer hinnehmen mußten, weil sie als
unzuverlässig galten. Auch hier ist ein Diskriminierungsansatz zu sehen,
denn Männern wird immer noch Unverständnis zuteil, wenn sie sich vom
Kinderarzt krankschreiben lassen, um sich um ein erkranktes Kind zu
kümmern oder wenn sie wirklich Erziehungsurlaub nehmen, um sich um ihr
kleines Kind zu kümmern. Mir will auch scheinen, dass solche Männer in
der Arbeitswelt insofern gefürchtet sind, als sie als "genauso
unzuverlässig" wie Frauen gelten, sie bekommen also genau dieselben
Diskriminierungsmaßnahmen zu spüren wie Frauen. Letztlich ist es also
kein geschlechtsspezifisches Problem, das sich hier auftut, sondern das
Problem derjenigen, die sich entscheiden, das Wohl ihrer Familie auf
ihrer Prioritätenliste vor das Wohl des Arbeitgebers zu setzen. In
Anbetracht der Tatsache, dass die Menschen, die das tun, vorwiegend
Frauen sind (die sich eventuell sogar dazu genötigt
sehen), wird das soziale Problem des Zusammenbruchs der Familie als
kleinster sozialer Einheit im Staat und aller daraus entstehenden Folgen gern als reines Frauenproblem mißverstanden. In letzter
Konsequenz ist das aber einfach zu kurz gedacht - von den Frauen, die
sich da mißachtet und diskriminiert fühlen genauso wie von den Männern,
die die Sorgen, die sich aus der simplen biologischen Wahrheit, dass es
die Frauen sind, die die Babys bekommen, als unbegründet vom Tisch
wischen.
Ich habe das alles jetzt nur kurz angerissen, denn die Diskussion dieses
gesamten Themenkreises muß ausführlich und unter Einbeziehung aller
Beteiligten erfolgen. Unvernünftige Möchtegern-Emanzen, die meinen, sich
für diese Diskussion in ausschließlich von Frauen frequentierbare
Schutzräume zurückziehen zu müssen, können wir dabei wirklich nicht
brauchen. Um die Probleme, die sich aus Diskriminierungen heraus ergeben,
lösen zu können, werden alle Beteiligten benötigt.
Und deswegen bin ich sauer auf Lena Simon. Sie hat diese Diskussion durch
ihr Verhalten wieder ein Stück schwerer gemacht. Das wäre wirklich nicht
nötig gewesen. Mein Rat an alle Piraten im Hinblick auf geschlossene
Mailinglisten für Frauen oder Männer oder Osterhasen lautet: Laßt ihnen
ihre Listen, laßt sie in ihrem Universum allein. Wenn sie irgendwann mit
praktikablen politischen Ideen aufwarten können, wird uns allen das zum
Vorteil gereichen. Und wenn die Mailingliste dafür genutzt wird, dass die
Damen sich gegenseitig vorweinen, wie ungerecht die Welt ihnen gegenüber
ist, dann fallen sie wenigstens denen, die wirklich politische Arbeit
leisten wollen, nicht auf die Nerven. Wir sollten die tatsächlichen
Probleme angehen und eben Gleichberechtigung anstreben.
Mein Name ist Astrid Steinmann. Ich bin Pirat. Ohne "in".
This is the second time today that I got one of those mails telling me, the dear facebook user, that "due to Facebook policy changes, all Facebook users must submit a new, updated account agreement, regardless of their original account start date. Accounts that do not submit the updated account agreement by the deadline will have restricted." To execute the update, they ask me to "unzip the attached file and run 'agreement.exe' by double-clicking it".
The mail was sent, miraculously, from the mail account on which I recieved it. At least that is what they gave as sender mail address. So, here's my piece of advice for you in case you get one of those mails, too:
Do not, repeat: NOT! open the zip file and do not, repeat: NOT! repeat: NOT EVER! run agreement.exe on your computer. If the facebook team wants to contact you, no matter what their request may be, they have other ways of communication, they have other technical ways of updating the account agreement and sure as hell will not pass your own mail address off as theirs!
Now I do know that many of you will not really need that piece of advice - but there are enough people who would not double-check before opening that file. So please spread word to prevent as many cases of harm as possible, ok? Thanks!
Eingestellt am von Stonie, überarbeitet am 12.02.2010, 23:41 Uhr
Eingeordnet unter:
Heute morgen war ich um 6:30 Uhr an meinem wunderbaren Arbeitsplatz. Das war ich nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil ich meinen Kram spätestens um acht so weit fertig haben wollte, dass ich mich um die Kollegin würde kümmern können, die heute neu ins Team kommt und mir jetzt gegenübersitzt.
Ich habe den ganzen Tag über heftigst durchgeschafft, denn es war viel zu tun, noch einiges um die Kollegin herum zu organisieren, so gegen drei schwirrte mir der Kopf trotz einer zweistündigen Mittagspause und ich hatte noch ausreichend auf meinem Schreibtisch zu liegen, um bis um 17:00 Uhr höchst beschäftigt zu sein. Da kommt der hochwichtige Kollege mit dem Chef aus des Chefs Büro; die beiden unterhalten sich darüber, dass doch jetzt ein Bierchen genau das richtige wäre.
In dem Kühlschrank hinter mir lagern noch ein paar Flaschen von der letzten Festivität - zwei, drei Flaschen Bier, eine Pulle Sekt, eine ich-weiß-echt-nicht-seit-wann halbleere Flasche Weißwein. Ich weiß das, weil die Herren nämlich gestern schon nachgesehen haben, ob denn noch Sekt im Kühlschrank sei (da meinte der hochwichtige Kollege zum Chef, es müsse wohl noch welcher da sein, wenn "Frau Steinmann nicht alles weggesoffen hat". Ein Charmebolzen erster Güteklasse, das muß man ihm lassen!). Also fragen die Herren ein paar andere Herren (wozu sind wir mehr als 30 Leute in dem Büro?), ob sie denn ein kühles Bier wollen. Na, klar, ist denn ein gekühltes Bier da? Wenn Frau Steinmann nicht... - komisch, ich finde irgendwie, dass der Spruch auch durch Wiederholung in keiner Weise gewinnt. So holt man denn aus dem Kühlschrank, was dort noch lagert und stellt fest, dass es zu wenig Bier ist um alle durstigen Kehlen zu befeuchten. Daraufhin schnappt sich der hochwichtige Kollege einen anderen und trabt mit dem ins Erdgeschoß, denn dort ist der einzige Getränkeautomat, der auch Pils beherbergt. Die beiden holen ausreichend Nachschub und traben wieder an. Dann stehen sie an unserem Sekretariatsschreibtisch, trinken sich fröhlich einen, die neue Kollegin bekommt ein Sektchen eingegossen, ich lehne dankend ab (will ja dem hochwichtigen Kollegen nichts wegsaufen, gelle?) und die Spontanparty nimmt ihren Lauf. Ich versuche währenddessen, meine Arbeit zu machen, auch die neue Kollegin nippt zwar an ihrem Sektchen, hat aber ausreichend zu tun, um sich nicht groß am Gespräch zu beteiligen.
Jetzt mal ganz ehrlich: Ich gönne meinen Kollegen ihr Feierabendbierchen wirklich. Es war eine harte Woche, sie hatten alle reichlich Streß, ich finde es absolut ok, wenn sie dann zum Wochenende-Einläuten ein Bierchen zischen und ein wenig quatschen. Nur:
Muss das unbedingt direkt neben meinem Schreibtisch sein? Ich bin, verdammt nochmal, Teilzeitkraft, nach vier Stunden ist mein Tag normalerweise zu Ende! Ich war heute achteinhalb Stunden in diesem verdammten Büro und das bestimmt nicht, weil es bei mir zuhause so ungemütlich wäre oder ich nichts besseres mit mir anzufangen wüßte! Die Herren hätten ungefähr fünf Schritte gehen müssen, um in Chefs Büro zu stehen; weitere fünf Schritte hätte sie in eine Besprechungsecke gebracht, die Teil des Büros ist. Warum müssen die Kerle dann bitteschön so extrem rücksichtslos sein und Leuten das Leben schwer machen, die wirklich noch was zu tun haben und fertig werden wollen? Ist es denn so extrem schwer, mal hinzugucken? Kruzitürken, ich bin Teamassistentin, keine Bardame!
Wenn ich das aber sage, dann bin ich die humorlose Gewitterziege, die allen anderen den Spaß verdirbt. Also halte ich die Herrschaften aus (auch wenn's extrem schwer fällt) und sage nichts. Wer will schon Spaßverderber sein? Aber ich weiß ehrlich nicht, was ich mache, wenn ich am Montag in mein Büro komme und da stehen dann noch die leeren Flaschen um meinen Schreibtisch herum. Waaahhh!